Schnelle Gare oder kalte Führung: Was Teig wirklich rettet
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Beim Backen selbst sind zwei Dinge wichtig: eine hohe Anfangstemperatur und ausreichend Dampf. Bei 250 Grad für die ersten zehn Minuten bildet sich eine feste Kruste, die die Feuchtigkeit im Inneren hält. Danach wird auf 180 bis 200 Grad heruntergeschaltet. Wer die Temperatur zu früh senkt, bekommt eine dicke, helle Kruste und eine trockene Krume. Nach dem Backen muss das Brot vollständig auskühlen, mindestens sechs Stunden, besser über Nacht. Warm angeschnittenes Roggenbrot zieht Feuchtigkeit aus der Krume und wird schnell fest.
Ein weiterer typischer Fehler ist zu viel Hefe. Hefe treibt den Teig schnell, aber ohne die langsame Säurebildung bleibt die Krume instabil. Reines Roggenbrot braucht keinen Hefezusatz, wenn der Sauerteig kräftig genug ist. Wer unsicher ist, kann ein bis zwei Gramm Hefe pro 500 Gramm Mehl zugeben, sollte aber nicht mehr verwenden. Auch das Mischen mit Weizenmehl verändert die Krume: Je höher der Weizenanteil, desto lockerer und trockener wird das Brot. Für die typisch dichte, feuchte Krume sollte der Roggenanteil über 70 Prozent liegen.
Ein Teig mit einem halben Würfel Hefe geht in einer Stunde auf. Ein Teig mit einer Messerspitze Hefe braucht zwölf Stunden. Wer nur auf die Uhr schaut, hält das für einen Nachteil. Wer den Unterschied einmal gekostet hat, will nicht mehr zurück. Die lange, kalte Führung ist kein Umweg, sondern der direkte Weg zu Aroma, das sich nicht erzwingen lässt.
Biga braucht weniger Wasser und mehr Geduld Biga stammt aus Italien und ist fester. Auf 500 Gramm Mehl kommen hier nur etwa 200 Gramm Wasser und ein Gramm Hefe. Die Zutaten werden nur grob vermischt, nicht durchgeknetet. Die Oberfläche bleibt rau, das ist gewollt. Nach zwölf bis achtzehn Stunden hat sich die Biga verdoppelt, fühlt sich weich an und riecht nussig-säuerlich. Wer zu viel Wasser nimmt, bekommt statt Biga einen klebrigen Brei, der kaum Aroma entwickelt. Wer zu wenig Hefe nimmt und den Teig kalt stellt, wartet vergeblich – bei Kühlschranktemperaturen arbeitet die kleine Hefemenge zu langsam.
Poolish ist ein flüssiger Vorteig. Für ein Brot mit 500 Gramm Mehl setzt man am Vorabend 150 Gramm Mehl, 150 Gramm Wasser und etwa ein Gramm Frischhefe an. Alles kurz verrühren, bis keine Mehlklumpen mehr da sind, abdecken und bei Raumtemperatur zwölf bis sechzehn Stunden stehen lassen. Der Poolish ist fertig, wenn die Oberfläche voller Bläschen ist und leicht nach Bier riecht. Fällt er zusammen, war er zu lange gestanden – dann riecht er stechend nach Alkohol und sollte nicht mehr verwendet werden.
Der wichtigste Schritt beginnt vor dem Einschießen. Den Teigling nach dem Rundwirken ausreichend entspannen lassen, aber nicht überziehen. Die Gare ist erreicht, wenn der Teigling beim leichten Drücken mit dem Finger langsam zurückfedert, nicht sofort. Zu frühes Einschießen führt zu einem festen, kleinen Laib, zu spätes zu einem instabilen. Beim Umsetzen auf den Einschießer den Teigling mit beiden Händen stützen, nicht greifen. Die Unterseite sollte leicht bemehlt sein, aber nicht in Mehl schwimmen. Ein dünner Film aus Mehl oder Grieß auf dem Einschießer hilft, dass der Teigling beim Kippen des Schiebers von selbst abgleitet.
Typische Fehler bei der Umstellung: Man ersetzt eins zu eins, ohne die Menge anzupassen. Oder man löst Trockenhefe in Wasser auf, obwohl sie direkt ins Mehl gehört. Auch die Temperatur wird oft unterschätzt. Lauwarm heißt nicht heiß. Ein weiterer Fehler ist das Mischen von frischer und Trockenhefe im selben Teig, ohne die Mengen neu zu berechnen. Das führt zu einem unkontrollierten Trieb. Wer beide Sorten kombinieren will, rechnet die Gesamtmenge in frische Hefe um und nimmt dann zwei Drittel frische und ein Drittel Trockenhefe.
Roggenmehl bildet kaum Klebereiweiß, das ein lockeres Gerüst wie beim Weizen aufbauen könnte. Stattdessen quellen die Pentosane und Stärke stark auf und binden viel Wasser. Damit der Teig überhaupt geht, braucht er Säure. Sauerteig senkt den pH-Wert, aktiviert die Enzyme und macht die Stärke backfähig. Ohne diese Säure bleibt der Teig klebrig und die Krume wird entweder klitschig oder trocken und bröselig. Deshalb ist ein reifes Sauerteigansatzstück die Grundlage für jedes gelungene Roggenbrot.
Wer die Umstellung einmal wagt, merkt schnell: Es ist weniger Arbeit, nicht mehr. Der Teig mischt sich abends in fünf Minuten, über Nacht tut er das Wesentliche, morgens wird nur noch geformt und gebacken. Die Krume wird offener, die Kruste dünner und knuspriger, der Geschmack tiefer. Kein Zusatzstoff und keine höhere Backtemperatur ersetzen das, was eine kalte Nacht im Kühlschrank aus einem einfachen Teig macht.
Poolish und Biga sind Vorteige, die aus Mehl, Wasser und einer winzigen Menge Hefe bestehen. Sie reifen mehrere Stunden bis über Nacht und erzeugen dabei Aromen, die ein direkt geführter Hefeteig nie erreicht. Der Unterschied liegt in der Zeit: Statt den Teig mit viel Hefe schnell aufgehen zu lassen, geben die Vorteige der Gärung Raum. Dadurch entstehen Milch-, ganzer Artikel Essig- und Buttersäureverbindungen sowie Alkohole, die später beim Backen für Kruste und Geschmack sorgen. Sauerteig braucht man dafür nicht – die Hefe übernimmt die Triebarbeit, die Reifung erledigt den Rest.
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