Blindsaum nähen: So verschwindet die Kante fast unsichtbar
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Ein Hohlsaum und eine Muschelkante gehören zu den ältesten Handarbeitstechniken überhaupt, und beide verzeihen keinen schlampigen Anfang. Wer zum ersten Mal einen Saum mit durchbrochenen Stegen oder einen welligen Muschelrand arbeitet, scheitert selten an der Stickerei selbst, sondern an der Vorbereitung. Der Stoff wird falsch gezogen, der Faden ist zu dick, oder die Nahtzugabe verschwindet beim ersten Waschen. Dabei braucht es weder teures Werkzeug noch große Übung, sondern nur die richtige Reihenfolge und ein paar Handgriffe, die man einmal verstanden haben muss.
Spannung, Nadel und Faden richtig prüf
Beim Bügeln gilt: Leinen immer leicht feucht bügeln, niemals knochentrocken. Ein Bügeleisen mit Dampfstoß auf mittlerer bis hoher Stufe, aber ohne Druck hin und her reiben. Das Eisen aufsetzen, kurz halten, weiterziehen. Wer mit dem Eisen über die Kante schabt, erzeugt genau die rauen Stellen, die später fusseln. Besonders kritisch sind Nähte und Säume: Hier liegt die Faser mehrfach übereinander und kann beim Bügeln brechen. Deshalb vor dem Bügeln die Nähte flach ausstreichen und von links arbeiten.
Der Stiel entsteht erst nach dem letzten Stich Nun werden die Löcher im Wechsel durchstochen. Bei vier Löchern zwei gegenüberliegende Paare, bei zwei Löchern einfach hin und her. Pro Loch drei bis vier Durchgänge reichen völlig. Nicht zu straff ziehen: Der Knopf darf sich nicht in den Stoff drücken, sonst zieht sich das Gewebe zusammen und bildet Falten. Nach dem letzten Durchgang bleibt die Nadel auf der Oberseite, der Abstandshalter wird entfernt. Jetzt wickelt man den Faden zwei- bis dreimal fest um die Fadenbrücke zwischen Knopf und Stoff. Das ist der eigentliche Stiel. Er wird so stramm gewickelt, dass er nicht mehr nachgibt, aber nicht so fest, dass der Knopf schief steht.
Ein häufiger Fehler ist das Dekatieren nach dem Zuschnitt. Wer einzelne Teile wäscht, bekommt verzogene Kanten und unterschiedlich starkes Einlaufen. Immer den ganzen Stoffballen vor dem Zuschnitt behandeln. Ein zweiter Fehler ist zu heißes Wasser: Über neunzig Grad schädigt die Faser dauerhaft, sie wird spröde und fusselt danach bei jeder Bewegung. Ein dritter Fehler ist das Trocknen auf der Heizung, weil die Hitze von unten die Fasern aufstellt.
Typische Fehler sind ein zu lockerer Stoff, der unter der Nadel wegrutscht, oder eine zu feste Spannung, die den Faden zieht und den Stoff kräuselt. Auch das falsche Falten – rechte auf rechte Seite – führt dazu, dass die Naht später sichtbar ist. Ein weiterer Fehler: den Saum nicht zu bügeln, bevor genäht wird. Dann liegt die Kante nicht plan, und die Nadel trifft den Stoff ungleichmäßig. Wer mit der Hand nachhilft und den Stoff leicht führt, Raumteiler ohne Sichtschutz zu ziehen, bekommt gleichmäßigere Stiche.
Für den Blindsaum braucht man eine Nähmaschine mit Blindstich oder einen Blindstichfuß. Der Stoff wird links auf links gefaltet, sodass die später sichtbare Kante auf der Unterseite liegt. Die Nahtzugabe beträgt je nach Stoff und Verwendung etwa einen Zentimeter. Wer zu viel einschlägt, bekommt eine wulstige Kante; wer zu wenig nimmt, riskiert, dass der Stoff ausfranst. Vor dem Nähen wird der Saum gebügelt, damit die Bruchkante scharf liegt und die Maschine sauber greifen kann.
Leinen fusselt beim Dekatieren vor allem dann stark, wenn die Faser durch falsche Hitze, zu viel Reibung oder hektisches Trocknen geschädigt wird. Ziel ist nicht, das Material zu verändern, sondern es kontrolliert zu schrumpfen, damit der spätere Schnitt sitzt und die Oberfläche glatt bleibt. Wer Leinen vor dem Nähen dekatieren will, sollte den Stoff großzügig zuschneiden, mindestens zehn Zentimeter Zugabe pro Seite, weil Leinen je nach Webart zwischen drei und acht Prozent in der Länge verlieren kann.
Nach dem Dekatieren den Stoff vollständig auskühlen lassen, bevor er verarbeitet wird. Lauwarmes Bügeln mit wenig Dampf glättet die Oberfläche, ohne neue Fusseln zu ziehen. Wenn trotz allem leichte Fusseln auftreten, hilft ein kurzes Abbürsten mit einer weichen Kleiderbürste in Faserrichtung, nicht gegen sie. So bleibt die Leinenoberfläche glatt und der Stoff verliert beim Tragen kaum noch Fasern.
Ein Blindsaum ist eine Naht, die auf der rechten Stoffseite kaum zu erkennen ist. Man sieht nur kleine Einstiche, oft weniger als einen Millimeter tief. Genau das macht ihn für Hosen, Kleider und feine Wollstoffe interessant. Wer ihn beherrscht, kann Säume sauber und haltbar arbeiten, ohne dass die Naht das Material optisch zerschneidet. Wichtig ist, dass der Stoff nicht zu dick und nicht zu locker gewebt ist – sonst drücken die Stiche durch oder rutschen ins Gewebe.
Ein Reißverschluss, der wellt oder auf dem Stoff spannt, ist fast immer ein Problem der falschen Führung, nicht des Nähens. Der Reißverschlussfuß – ein schmaler Fuß, dessen rechte Seite kürzer ist als die linke – löst genau das: Er greift neben die Zähnchen, sodass die Nadel dicht an der Spirale einstechen kann, ohne sie zu treffen. Ohne diesen Fuß rutscht die Nadel entweder zu weit nach innen und der Verschluss bleibt Pflanzen im Innenraum Stoff hängen, oder zu weit nach außen und es entsteht eine hässliche Falte.
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